Maternus Seniorencentrum Köln-Rodenkirchen

#Stayathome (Hausarrest deluxe)

Wann hatte ich das letzte mal Hausarrest? Ui, da muss ich wirklich lange überlegen, bin ja auch nicht mehr die Jüngste, vor knapp einem halben Jahr zarte 50 geworden. Also irgendwann in meiner Kindheit, das ist wirklich schon lange her. Und vermutlich war ich nicht sehr nett zu meinen Eltern, hatte eine schlechte Schulnote geschrieben oder hatte sonst irgendeinen Blödsinn verzapft. Zusammen mit meinem 4 Jahre jüngeren Bruder und einer Horde Freunden kam das auch schon mal des öfteren vor. Stubenarrest hieß das bei uns und es war die schlimmste aller Strafen, wir waren immer draußen zum spielen. Im Garten und im Wald, auf der Wiese und am Bach, wir hatten eine wundervolle Kindheit. Im Haus haben wir nur gespielt, wenn es im Winter zu kalt war, es geregnet oder zu sehr gestürmt hat, wenn wir krank waren oder wenn wir Stubenarrest hatten.

Ich frage mich die ganze Zeit, was wir Menschen wohl dieses Mal angestellt haben – denn seit einigen Wochen hat die ganze Welt Stubenarrest! Eigentlich braucht man ja nicht lange überlegen, da gibt es genug Gründe uns alle mal eine Weile wegzusperren.

Kontaktverbot klingt ja erstmal nicht ganz so dramatisch; wer hat nicht schon manches Mal zuhause gesessen und gedacht „So heute gehe ich mal nicht vor die Tür, denn heute will einfach mal niemanden sehen!“ Das ist alles halb so schlimm, wenn man sich das selber aussuchen kann. Wir können es gerade aber nicht. Ja wir dürfen schon raus; wir dürfen arbeiten gehen, wir dürfen einkaufen gehen und natürlich dürfen wir auch spazieren, auch mit der ganzen Familie (die mit uns zusammen wohnt), alles andere bitte nur zu zweit. Keine Besuche, keine Partys, wir können nicht Essen gehen, nicht ins Kino, keine Sportveranstaltungen und/oder Konzerte besuchen, nicht ins Schwimmbad oder ins Theater. Ich glaube, wenn es das Internet heutzutage nicht geben würde und die vielen Möglichkeiten die sich daraus ergeben, das Leben wäre jetzt ganz schön langweilig.

Jetzt scheint die Sonne. Wenn es jetzt wärmer wäre könnte ich im Garten sitzen, aber bei 7°C und kaltem Wind lasse ich das lieber. Abgesehen davon ist man im Garten jetzt auch nicht alleine, da sind die Kinder von meinem Bruder und die Kinder aus der Nachbarschaft tauchen auch hin und wieder dort auf. Kontaktverbot scheint bei den Kleinen irgendwie noch nicht angekommen zu sein. Mir fehlen die Zwerge auf jeden Fall sehr. Ich gehöre aber zu einer Risikogruppe und da bei denen irgendwer immer einen Husten hat halte ich lieber Abstand. Ich hoffe, aber sehr dass diese kontaktarme Zeit bald vorbei ist, denn ich liebe es mit meinen Neffen zu kuscheln.

Was mir aufgefallen ist in den letzten Tagen, ich telefoniere wieder regelmäßiger. Vielleicht weil, mir meine eigene Stimme zu hören irgendwann nicht mehr genügt hat. Ja, ich rede mit mir selber. Immer schon und nicht erst seit dem Kontaktverbot. Ich rede auch mit meinen Pflanzen und früher mit meinen Katzen. Irgendjemand hat mal gesagt, dass sei nicht dramatisch … krankhaft wäre es erst, wenn die Pflanzen antworten würden. Und jetzt habe ich tatsächlich das telefonieren wieder neu entdeckt; seit es Whatsapp gibt hat man sich irgendwie viel aufs schreiben konzentriert, ja hin und wieder vielleicht mal eine Sprachnachricht aufnommen, aber richtig telefonieren mache ich irgendwie nur noch im Büro. Jetzt halt auch wieder zuhause. Und es macht Spaß, man kann sich viel mehr erzählen und man stellt fest, dass die anderen irgendwie die gleichen Ängste und Sorgen haben wie man selber. Sie stellen sich die selben Fragen: „Wie lange müssen wir noch zuhause bleiben?“, „Werde ich meinen Job verlieren?“, „Wird man die Krankheit aufhalten können?“, „Wie wird unsere Wirtschaft das verkraften?“ und die wichtigste Frage bleibt meistens ungestellt im Raum „Werden Menschen daran sterben, die ich kenne und die ich liebe?“

Die Coronavirus-Erkrankung (COVID-19) ist das schlimmste was ich bislang erlebt habe. Vielleicht werden unsere Bewohner/innen sagen, dass ich froh sein kann, dass ich den Krieg nicht miterlebt habe, denn das war das Schlimmste – und sie haben vermutlich Recht. Man fühlt sich einfach so hilflos; man hört irgendwie den ganzen Tag nichts anderes und hat trotzdem ständig das Gefühl, im falschen Film zu sitzen. Aber egal was passiert, egal was noch kommt, wir müssen weiter machen; vielleicht können wir die Zeit nutzen um Dinge zu überdenken, um uns entschleunigen und vielleicht so die Welt ein Stückchen besser zu machen. Ich hoffe wirklich, wenn das hier überstanden ist, dass wir daraus etwas lernen können. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Bleiben Sie alle gesund! Und vorallem, wenn es Ihnen irgendwie möglich ist, bleiben Sie zuhause. Für all unsere Senioren, für die chronisch Kranken und für all die, die mit ihrer Arbeitskraft die Stellung halten!

#StayAtHome

Beste Grüße aus Köln sendet Katja Grund in die Welt!



2 Kommentare

  • Ein toller Text, solltest du für die Zeitung planen. Dir auch: Bleib gesund und liebe Grüße

    • Vielen lieben Dank! Werde ich auch in der Hauszeitung veröffentlichen, danke für den Tipp. Bleibt ihr bitte auch gesund. Liebe Grüße nach Köln!

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