Fachliches

Ehrenamt im Altenheim – ein Gewinn für beide Seiten

Ehrenamt liegt im Trend: 45 Prozent der Deutschen über 16 Jahre engagieren sich regelmäßig freiwillig, wie eine Umfrage des Instituts für Demoskopie in Allensbach von 2013 besagt. Die freiwilligen Helfer stellen ihre Zeit, Energie und Fähigkeiten in den Dienst einer guten Sache, und das unentgeltlich. In der Altenpflege baut man auf dieses Engagement – schließlich erfüllen die Ehrenamtlichen eine wichtige Aufgabe: Sie besuchen Pflegebedürftige, die keine Angehörigen mehr haben, begeben sich geduldig in die Welt von Demenzkranken oder schieben Rollstuhlfahrer durch den Park. Damit bieten sie eine wichtige Ergänzung zu den Aufgaben, für die das angestellte Personal zuständig ist: Sie wirken der Vereinsamung entgegen, bereichern das Alltagsleben der Heimbewohner und verhelfen ihnen im besten Fall zu echter Lebensqualität. Doch was treibt die Ehrenamtlichen eigentlich an – wo liegen ihre Motive für das Engagement? Und welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit sie ihr Amt mit Freude ausüben?

Ehrenamtliche sind Überzeugungstäter
Monetär wird das Ehrenamt nicht entlohnt. Und doch fühlen sich die Freiwilligen gut bei dem, was sie machen – denn sie machen es aus Überzeugung und weil es ihnen Spaß macht. Laut Allensbach-Umfrage haben alle Freiwilligen eines gemein: Sie geben gerne. 95 Prozent der Befragten berichten, dass ihnen ihr Engagement viel Freude bereitet. Das Patentrezept dafür lautet: Machen, was man gerne macht, für sinnvoll erachtet und worin man gut ist. Verantwortung übernehmen, Neues dazulernen, neue Kontakte knüpfen – ein Ehrenamt bringt auf vielen Ebenen neue Impulse ins Leben.

Ein ganz wesentlicher Aspekt dabei ist die Tatsache, eine Aufgabe zu haben, gebraucht zu werden. Auch dies belegen die Umfragewerte. So schätzen 82 Prozent der Ehrenamtlichen, die in die Studie einbezogen waren, das Gefühl, gebraucht zu werden oder die Möglichkeit, etwas Sinnvolles tun zu können. Das entspricht auch den Rückmeldungen der freiwilligen Helfer, die sich beispielsweise in Pflegeeinrichtungen zum Wohl von Senioren engagieren. Ehrliche Anerkennung finden sie bei den Bewohnerinnen und Bewohnern ganz unmittelbar. „Ich bekomme ganz viel zurück“ ist eine der häufigsten Rückmeldungen auf die Frage nach der Motivation für den Einsatz. Sie genießen es, helfen zu können und aufrichtige Dankbarkeit und Wertschätzung zu erleben. Es profitieren also nicht nur die Bewohnerinnen und Bewohner – beide Seiten haben etwas davon.

Engagement kennt keine Altersgrenze
In den letzten Jahren ist zu beobachten, dass immer mehr Rentner und Senioren ihre Zeit einer ehrenamtlichen Aufgabe widmen. Ein Beispiel dafür ist Brunhilde Lichtblau. Die 82-Jährige kommt seit Jahren regelmäßig ins Maternus Pflege- und Therapiecentrum Wendhausen und beschäftigt sich dort mit den Senioren. „Ich bin ein feinfühliger Mensch und gehe offen auf die Leute zu. Wenn nötig, muntere ich sie auf, mache Scherze.“, erzählt Brunhilde Lichtblau. „Und die Leute sind ja so dankbar. Sie klatschen und lachen – wenn ich das sehe, hat es sich für mich schon gelohnt“, sagt die engagierte Dame.

Ein Ehrenamt kann die Jobchancen verbessern
Doch man muss kein Rentner sein, um von einem sozialen Engagement zu profitieren. Auch Arbeitssuchende sind gut beraten, sich freiwillig zu engagieren. Das Sprichwort „Wer rastet, der rostet“ hat einen wahren Kern: Mangelnde Aktivität macht die meisten Menschen auf Dauer unzufrieden und kann den Beginn einer Abwärtsspirale bis hin zu depressiven Verstimmungen darstellen. Wer nach der Ausbildung nicht direkt in die Arbeitswelt einsteigen kann oder wer seinen Job verloren hat, kann im Ehrenamt die Zeit bis zur neuen Arbeitsstelle sinnvoll überbrücken. Womöglich lassen sich dabei sogar Kenntnisse erwerben, die es leichter machen, ins Berufsleben einzusteigen. Gelegentlich ergibt sich über ein Ehrenamt auch eine direkte Karrierechance.

Freiwillige brauchen gute Rahmenbedingungen
Damit beide Seiten gleichermaßen zufrieden sein können, müssen jedoch einige Rahmenbedingungen stimmen. Gerade im Altenheim werden Ehrenamtliche mit Anforderungen konfrontiert, die sehr anspruchsvoll oder sogar belastend sein können. Unausweichlich ist etwa die Konfrontation mit Leid, Krankheit und Tod. Darauf sollte das Pflegeheim die freiwilligen Helfer aktiv vorbereiten. „ Zum Pflichtprogramm des Seniorenheims gehört ein umfassendes Einführungsgespräch, in dem die gegenseitigen Erwartungen und Anforderungen geklärt werden“, erklärt Andreas Berlin, Leiter des Maternus Pflege- und Therapiecentrums Wendhausen. Wenn nötig, sollten Ehrenamtlich auch an internen Fortbildungen teilnehmen können. Empfehlenswert ist es zudem, Gelegenheiten zum Austausch mit erfahrenen Ehrenamtlichen zu schaffen und einen festen Ansprechpartner für Fragen oder mögliche Krisen zu benennen. Auch wenn es sich um freiwilliges Engagement handelt – allzu selbstlos sollten Ehrenamtliche nicht sein: Aufgaben auch mal abzulehnen und eigene Vorschläge einbringen zu können, ist wichtig für die Motivation. Nicht zuletzt sollten die Pflegeeinrichtungen darauf achten, die keineswegs selbstverständliche Hilfsbereitschaft anzuerkennen – im Alltag ebenso wie zu besonderen Anlässen, wie etwa bei Feiern oder Ausflügen.

Wie finde ich das passende Ehrenamt?
Wer Interesse an einer freiwilligen Tätigkeit hat, sollte sich zunächst fragen: Was treibt mich an, woran habe ich Spaß? Was habe ich früher gerne gemacht, worin bin ich besonders gut oder was möchte ich gerne neu kennen lernen? Vielleicht gibt es auch Fähigkeiten, die man gerne einmal in der Praxis anwenden möchte. Wenn klar ist, was man gerne anbieten möchte, ist es am besten direkt in einem Seniorenheim vor Ort vorbeizuschauen und nachzufragen. Einige Gemeinden betreiben auch Ehrenamtsbörsen im Internet.

 



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