Maternus Seniorencentrum Am Steuerndieb

Im Interview: Karsten Lindenau

Karsten Lindenau, Einrichtungsleitung Maternus Seniorencentrum Am Steuerndieb


 

1. Steckbrief

Ich bin 50 Jahre alt und seit 12 Jahren glücklich in einer Beziehung lebend, aus der ein mittlerweile siebenjähriger Sohn hervorging. Wir wohnen in Lehrte und seit Februar bereichert unsere Hündin Bella das Familien- und Arbeitsleben.

2. Seit wann sind Sie in diesem Haus beschäftigt und seit wann auf dieser Position?

Ich bin im September 2016 direkt als Einrichtungsleitung in dieses Haus gekommen.

3. Wie würden Sie das Haus mit seinen Mitarbeitern beschreiben, was macht es so besonders?

Das Seniorencentrum Am Steuerndieb hat eine äußerst wechselhafte Geschichte in jeglicher Hinsicht hinter sich. Die erste Zeit hier war enorm anstrengend, weil wir noch viel mit Leasingpersonal arbeiten mussten, keine funktionierende Leitungsebene in den Wohnbereichen hatten und täglich mit Beschwerden jeglicher Art konfrontiert wurden. Seit Mitte letzten Jahres stabilisiert sich die personelle Situation zusehends, was sich auch in der steigenden Qualität unserer Leistungen widerspiegelt.
Das Besondere der Einrichtung ist die Lage sowie die Weitläufigkeit, die nicht allein um die Gebäude herum, sondern auch innen zu finden ist. So können sich unsere Bewohner auch bei schlechtem Wetter ausreichend bewegen.

4. Wie sind Sie in die Pflege gekommen, welcher Werdegang liegt hinter Ihnen?

Die Neigung zur Pflege wurde mir wahrscheinlich bereits in die Wiege gelegt – meine Oma war Krankenschwester, meine Mutter absolvierte vor der Ehe die Pflegevorschule und wurde dann früh Mutter. Den Wunsch, in die Pflege zu gehen, hatte ich so mit 14 Jahren; dabei blieb es dann ja auch. Meine Ausbildung zum Altenpfleger beendete ich im Jahr 1991. Fünf Jahre später war ich Pflegedienstleitung und seit 2003 bin ich als Einrichtungsleitung tätig.

5. Was finden Sie besonders schön an Ihrem Beruf? Und was weniger?

Die Vielfältigkeit der Menschen, denen wir täglich begegnen, wobei kein Tag einem anderen gleicht. Auch die vielen kleinen Erfolgserlebnisse, die nicht immer sofort sichtbar sind, machen den Beruf spannend.

6. An welche besonders lustige oder emotionale Situation in Ihrem Beruf erinnern Sie sich gerne zurück?

Besonders lustige gab es sicherlich einige, von denen ich berichten kann. Sehr nachhaltig ist mir jedoch in Erinnerung geblieben, wie ich das erste Mal eine Bewohnerin waschen durfte. Ich ging dabei offensichtlich zu zaghaft vor, dass sie mich irgendwann anschaute und meinte: „Junger Mann, Sie dürfen gern etwas fester reiben. Ich bin doch nicht zerbrechlich…!“

7. Was muss man Ihrer Meinung nach als Pflegekraft mitbringen, damit man Freude an diesem Beruf hat?

Die Anforderungen und Erwartungen an eine Pflegekraft sind in den letzten Jahren stets gestiegen. Früher musste man vor allem physisch und psychisch belastbar sein. Heute reicht dies allein nicht. Eine Pflegekraft muss heute eine Fülle an Funktionen und Rollen erfüllen und dabei vielseitige Talente und Neigungen mitbringen. Außerdem muss sie durch die Schichtdienste, die wir auch an Wochenenden und Feiertagen vorhalten müssen, zudem auf ein sehr geregeltes Privatleben verzichten können.

8. Wenn Sie einen Wunsch frei hätten für die Pflege – welcher wäre das?

Pflege erlebt momentan einen Aufschwung gesellschaftlicher Akzeptanz. Leider vermisse ich dies noch für die vollstationäre Pflege, da uns wiederholt von sogenannten Pflegekritikern schlechte (Gesamt-) Leistungen vorgeworfen werden. Ich wünsche mir, dass durch die Vorhaben der aktuellen großen Koalition und das ressortübergreifende Handeln verschiedener Ministerien tatsächlich etwas bei den an der Basis tätigen Mitarbeitern ankommt. Diese Verbesserungen müssten ein Mix aus Gehaltssteigerungen sowie verbesserten Stellenschlüsseln und damit echt spürbar sein.
Wir müssen ja seit Einführung der Pflegeversicherung mit nahezu unveränderten Personalanhaltszahlen arbeiten, obwohl die Anforderungen und Auflagen an die Pflegekräfte immer weiter erhöht wurden. Und das bei stetig steigendem Pflegebedarf der Bewohner, die immer später und für deutlich kürzere Zeit bei uns einziehen – dies scheint der breiten Öffentlichkeit relativ unbekannt.
Vielleicht könnten damit Menschen für die Pflege gewonnen werden, die ihren Beruf dann mit Begeisterung, Herz und Verstand ausüben.

9. Welche Frage hören Sie am häufigsten in Ihrem Berufsalltag und wie beantworten Sie diese souverän?

Wie viele Mitarbeiter haben Sie pro Schicht in einem Wohnbereich? Die Antwort kann aus meiner Sicht nur lauten: „Es kommt drauf an…“, denn pauschal beantworten lässt sich diese Frage nicht. Die erforderliche Besetzung ist nämlich von vielen Faktoren abhängig, z. B. der Anzahl der Bewohner des Wohnbereichs sowie die Verteilung der Pflegegrade und die Gewichtung der Stellenanteile auf die einzelnen Mitarbeiter.

10. Haben Sie noch einen Tipp für eine bestimmte Zielgruppe?

Auch wenn es ein Thema ist, das ungern besprochen und fast immer erst im Akutfall wichtig wird: Angehörige und zukünftige Bewohner sollten sich gemeinsam früher mit dem Thema einer möglichen Pflegebedürftigkeit auseinandersetzen. Es gibt viele Möglichkeiten der Problemlösung und für fast jede Situation gibt es eine individuell passende Lösung, auf die alle vorbereitet sein können.



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